Während unserer Reise durch den Westen Amerikas landeten wir einen schönen Maitages in Santa Clara, Siliconvalley im Hyatt Regency. Meine liebe Freundin hatte den Wunsch, an einem Bay-Con teilzunehmen – ein Haufen verrückter Science Fiction Fans treffen sich dort einmal im Jahr um Podiumsdiskussionen abzuhalten, ihre Kostüme vorzuführen und sich mit viel Alkohol und eigenartigen Tänzen zu vergnügen. Nicht ganz meine Welt, obwohl es recht interessant war, das Treiben gelegentlich zu beobachten. Ansonsten gibt es in diesem Teil der Welt nicht viel zu tun. Also machte ich mich an einem schönen Samstags abend auf, den einzigen Bluesclub weit und breit zu erkunden, JC’s Blues.
Leider kommt man zu diesem Club nur mit dem Auto bzw. Taxi vom Hyatt aus. Selbst fahren kam nicht in Frage, da ich auch was trinken wollte und die Taxikosten waren niederschmetternd. Aber gut, man muss Opfer für seinen Spaß bringen…
Ich wurde sehr angenehm überrascht. An diesem Abend sang Kaye Bohler, eine lokale Musikerin. Sie bot ein Superkonzert mit viel Leidenschaft und Stimme. Abgesehen von ein paar Standards – die sie sehr schön interpretierte – sang sie ihre selbstgeschriebenen Songs, was ich ganz toll fand. Die Stimmung war gut und die Leute waren sehr offen und nett. Obwohl ich alleine kam, hatte ich sofort Anschluss und mich einfach wohl gefühlt.
Am Ende des Konzerts wurde ich eingeladen am nächsten Tag in San José bei einem BBQ-Blues Nachmittag vorbeizuschauen im Old Wagon Saloon. Diese nahm ich gern an und praktischerweise fährt auch eine Straßenbahn vom Hotel nach Downtown San José.
Es war einfach, die Bar zu finden, in den meisten Städten der USA sind die Straßen so angelegt, dass man sich nicht verlaufen kann. Im Gegensatz zu Deutschland ist die Innenstadt von San José allerdings praktisch tot. Bevor ich zu meinem Ziel ging, ging ich noch etwas spazieren und dabei fiel mir auf, dass es in der Häusereinöde schon das eine oder andere Café gibt oder auch kleine Bars. Offenbar bemüht man sich, die Stadt etwas lebendiger zu machen.
Beim Old Wagon kaum angekommen wurde ich schon von meinem neuen Freund des vorherigen Abends freudig begrüßt und an einen Tisch mit ca. fünfzehn Leuten platziert, nicht ohne mich vorzustellen.
Auch hier wurde ich freundlich aufgenommen und erstmal mit tausend Fragen zu Deutschland gelöchert. Im Gegensatz zu Frankfurt – wo alleine ausgehen durchaus frustrierend sein kann – hat man in Californien nie das Gefühl, seltsam angeschaut zu werden als Frau alleine. Es ist einfach alles viel normaler und lockerer. Die Deutschen schimpfen immer über die Oberflächlichkeit der Amerikaner. Aber diese Oberflächlichkeit macht es auch viel einfacher, erste Kontakte zu knüpfen. Und von Tiefsinnigkeit in deutschen Kneipen habe ich auch noch nicht viel bemerkt.
Ok, jetzt zur J.C. Smith Band… Während Kaye Bohlen eher ruhigen und etwas souligen Blues singt, ging es hier wesentlich fetziger und auch rockiger zur Sache. Eigentlich ist das nicht so meine Richtung, ich stehe eher auf den melancholischen und ruhigeren Blues. Doch die Band war einfach gut, die Sonne, der nette Garten, die gute Stimmung und das Bier taten ihr übriges. J.C. Smith hat eine sehr kräftige und klare Stimme und singt die Balladen genauso gut wie die schnellen Stücke.
Ich war froh zu diesen Gigs gekommen zu sein. Sie haben mich vor den ET’s und Trekkies gerettet und ich freue mich schon auf ein nächstes Mal.
